R.I.P. Ernst Weber

Abschied von Ernst Weber
     
     
 

Quelle: sport.ORF.at  (Onlineausgabe) 07.04.2011

„Wir sind alle fassungslos und erschüttert.“ ÖFB-Präsident Leo Windtner vernahm die Schreckensnachricht über den Tod von Ernst Weber mit Bestürzung. Der langjährige ÖFB-Nachwuchstrainer und Coach des Damen-Nationalteams war am Mittwoch völlig unerwartet aus dem Leben geschieden, er wurde nahe Wr. Neustadt von einem Zug erfasst und getötet.

Weber wurde 62 Jahre alt und hinterlässt eine Ehefrau und seinen Sohn. Noch am Vortag war er auf der Trainerbank gesessen, als die ÖFB-U19-Damen im steirischen Anger in der EM-Qualifikation gegen Spanien im Einsatz waren. Webers Auswahl verlor 0:4. Dass es sein letztes Spiel als Trainer sein sollte, konnte zu diesem Zeitpunkt niemand erahnen.

Der Tod des sympathischen Trainers traf alle wie aus heiterem Himmel, weil gar nichts darauf hingedeutet hatte. Einer seiner vielen Freunde, ein Sportjournalist, hatte nach dem Spanien-Spiel noch mit Weber telefoniert, wobei er sich über die kasachische Schiedsrichterin ärgerte. Auch die sportliche Gala, die der FC Schalke in der Champions League in Mailand gegen Inter geboten hatte, war ein Thema.

Tod gibt Rätsel auf

Niemand konnte sich den Tod des Sportsmannes im ersten Moment erklären. Das Aus in der EM-Qualifikation kann es nicht gewesen sein. Da hatte der Niederösterreicher schon andere Rückschläge zu verdauen. Selbst ein fortgeschrittener Lymphdrüsenkrebs, der 2002 mit 46 Chemotherapien besiegt wurde, vermochte ihm nichts anzuhaben. War vielleicht eine neue ärztliche Diagnose der Auslöser für den mutmaßlichen Suizid? Darüber kann nur spekuliert werden.

Windtner sprach den Hinterbliebenen im Namen der österreichischen Fußballfamilie sein aufrichtiges Beileid aus. Weber sei nicht nur ein „fachlich profunder Trainer“ des Verbandes, sondern darüber hinaus auch - durch seinen vorbildhaften Charakter und seine stets offene und freundliche Art - gerade menschlich ein Vorbild für alle gewesen. Zu Ehren Webers, der von 1996 bis 1999 auch U21-Teamchef war, wird der ÖFB vor dem EM-Qualispiel gegen Deutschland am 3. Juni eine Schweigeminute abhalten und mit Trauerflor antreten.

Wegbereiter für Fuchs

ÖFB-Teamspieler Christian Fuchs, der unter Trainer Weber mit der U17-Auswahl 2003 in Portugal den dritten EM-Platz geholt hatte, war schockiert. „Er war ein wichtiger Trainer für mich, hat mich zum ersten Mal in ein Nationalteam einberufen. Unter ihm habe ich meinen ersten großen Erfolg gefeiert“, sagte Fuchs. „Ernst Weber hat viel vom Fußball verstanden, aber vor allem menschlich war er einzigartig. Er wird mir fehlen, wir haben uns immer sehr gut verstanden. Ich bin tief betroffen, mein Mitgefühl gilt seinen Angehörigen.“

Tief betroffen und voll Trauer zeigte sich auch Sportminister Norbert Darabos (SPÖ), der in einer Aussendung mitteilte: „Mit Ernst Weber verliert der österreichische Fußball eine prägende Trainerpersönlichkeit. Ernst Weber hat als Trainer von Nachwuchsteams und im Frauenfußball in den letzten Jahren eine wirklich beachtenswerte Aufbauarbeit geleistet. Sein Tod hinterlässt im Frauenfußball und im österreichischen Fußball insgesamt eine große Lücke.“

Erfolg gegen Ernst Happel

Tatsächlich war Weber ein Arbeitstier im Dienste des österreichischen Fußballs - ständig unterwegs, im In- und Ausland. Im Frühjahr 1999 hatte er auch als Erster auf ein rot-weiß-rotes Problem aufmerksam gemacht: zu viele Legionäre in den höchsten Ligen, die dem eigenen Nachwuchs den Weg verbauten. „Ich will in ein paar Jahren aber nicht hören, dass niemand auf die Problematik aufmerksam gemacht hat. Der Weg in die Zukunft ist ein beängstigender“, sagte Weber damals.

Er selbst war als Fußballspieler bei Vereinen wie SC Brunn, VfB Mödling, Guntramsdorf und Großengersdorf nie über solides, aber ehrliches Mittelmaß hinausgekommen. Um einiges erfolgreicher lief dafür Webers Trainerlaufbahn ab. Seinen wohl größten Erfolg auf Clubebene verbuchte er mit dem Kremser SC, als er 1988 gegen den von Ernst Happel betreuten FC Tirol in zwei Spielen den ÖFB-Cup eroberte. Mit Admira Wacker wurde der Niederösterreicher im Jahr darauf Vizemeister und Sieger des Wiener Stadthallen-Turniers.

 
R.I.P. Ernst Weber
 

Kurzporträt von ÖFB-Trainer Ernst Weber, der am Mittwoch den 06.April 2011 im Alter von 62 Jahren gestorben ist.

Ernst Weber

  • Geburtsdatum: 5. Oktober 1948
  • Geburtsort: Krumbach
  • Familienstand: verheiratet, ein Sohn

Laufbahn als Spieler

SC Brunn, Mödling, Guntramsdorf, Großengersdorf

Stationen als Vereinstrainer

  • Nachwuchsleistungszentrum Südstadt (1981-84)
  • Admira Wacker U21 (1984-85)
  • SC Eisenstadt (1985-86)
  • Kremser SC (1987-88, Meister 2. Division, Cupsieger)
  • Admira Wacker (1988-90, Vizemeister 1988/89, Stadthallensieger 1989, Cupfinale 1989)
  • LASK (September - Oktober 1990)
  • Kremser SC (1991, Aufstieg in die 1. Division)
  • Vorwärts Steyr (1992)
  • Austria Wien (1993-1995, Kotrainer unter Josef Hickersberger und Egon Coordes)
  • Braunau (1995-1996)

Karriere als ÖFB-Trainer

  • U21-Teamchef (1996-1999)
  • Frauen- und U19-Mädchen-Teamchef sowie Betreuer diverser Burschen-Nachwuchsauswahlen (1999-2011, u. a. dritter Platz bei U17-EM 2003)

 

 

 

 

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